30. Nov. 2018
Thomas Schwenk

Kolumne: Was eine Dusche mit dem Thema Digital Strategy zu tun hat

Unymira Digitalisierungsexperte Thomas Schwenk berichtet über seinen Alltag als Berater und Kuriositäten der Digitalisierung.

"Keine Sorge, lieber Leser, es kommt jetzt nicht die Story von der genialen Idee zur Digital Strategy unter der Dusche. Das wäre dann doch etwas zu abgedroschen. Aber eine Geschichte habe ich dennoch zu erzählen. Und ich glaube, sie wird auch Sie zum Nachdenken bewegen."

Digital Strategy im AlltagWir Berater sind ja viel unterwegs und so hatte ich kürzlich das Vergnügen, ein Zimmer in einem recht neuen Hotel als Bleibe für die Nacht zu bekommen. Wie viele Menschen stelle auch ich mich morgens unter die Dusche und dieses Mal durfte ich dort feststellen, dass die Digitalisierung auch vor einer Dusche nicht Halt macht. Jemand dachte sich wohl, dass es irgendwann an der Zeit ist, den guten alten Einhebelmischer zu ersetzen. So konnte man also die Dusche in meinem Zimmer nun per Wand-Taster in Gang setzen und mittels eines Kalt- und eines Warm-Tasters auch die Temperatur elektronisch regulieren. Selbstverständlich wurde diese in einem kleinen Display in der Wand auch angezeigt. Allerdings erst nach Anstellen des Wassers. Platziert waren die Taster dort, wo bei mir zuhause noch der gute alte Einhebelmischer zu finden ist: neben der Duschstange.

Ok, und was hat das nun mit Digital Strategy zu tun?

Geduld, ich muss erst noch ein wenig weitererzählen. Schlaftrunken wie ich also am frühen Morgen noch war, habe ich erst einmal einen Augenblick gebraucht, um zu realisieren, mit welch modernem Equipment ich es zu tun hatte und wie dasselbe funktioniert (ich bin recht kurzsichtig und die Tatsache, dass ich ohne Brille zum Duschen gehe, hat das nicht gerade vereinfacht). Irgendwann hatte ich dann aber den richtigen Taster entdeckt und gedrückt. Etwas ärgerlich war dabei, dass ich mich genau wie zuhause unter den Duschkopf stellen musste, um den Taster zu erreichen und das Wasser damit anzustellen. Dies machte die Temperaturanzeige im Display irgendwie unnötig, denn ich hatte bereits freudig festgestellt, dass mein Vorgänger ein Kaltduscher gewesen war. Immerhin weiß ich nun, dass „saukalt“ für eine Dusche präziser mit 20,5 °C angegeben werden kann und diese Wassertemperatur zuverlässig jedwede Müdigkeit beiseite fegt. Ich und der Analytiker in mir waren jedenfalls wach. Was hatte ich von diesem digitalisierten Prozess? Richtig: nichts. Zugegeben, die Optik des Ganzen war klasse. Aber davon abgesehen hatte hier jemand etwas digitalisiert, ohne weiter darüber nachzudenken, ob dies etwas nützt und ob man den Gesamtvorgang mit Hilfe der technischen Möglichkeiten eventuell besser gestalten könnte als ohne sie. Die Möglichkeit zum Beispiel, die Bedienelemente nun fernab der Wasserleitung viel praktischer platzieren zu können, wurde offenbar nicht erkannt. Ebenso wenig wie die Möglichkeit, den Benutzer proaktiv über die aktuell eingestellte Temperatur informieren zu können. Auch hat niemand daran gedacht, dass die Dinge für kurzsichtige Leute wie mich (in Deutschland sind das immerhin etwa 25% der Bevölkerung) oder auch für Ältere, aufgrund der kleinen, unscheinbaren Taster womöglich sogar schlechter zu bedienen sind.

Sie sehen schon, jetzt sind wir inmitten des Themas Digital Strategy

Ohne Klärung der Fragen, was die Digitalisierung eines Vorgangs dem Benutzer oder dem Kunden nützt, wie man diesen Nutzen messen und sicherstellen kann und wie dies alles ins große Ganze passt, sind alle Digitalisierungsvorhaben wie ein Lotteriespiel: Oft ist das Geld futsch, mit ein klein wenig Glück bekommt man seinen Einsatz wenigstens zurück und nur mit exorbitant viel Glück macht man Gewinn. Soweit mir bekannt, gibt es noch keine Methode, mit der man sicher in der Lotterie gewinnen oder seine Chancen wenigstens erhöhen kann. Bei der Digitalisierung aber haben Sie die Wahl. Hier gibt es erprobte Methoden für die Erarbeitung und Umsetzung einer Digital Strategy. Diese reduzieren die Möglichkeit einer, vielleicht sogar schädlichen, Fehlinvestition drastisch. Denn das ist ein weiterer Unterschied zum Lotteriespiel: Dort ist das eingesetzte Geld eben weg. Bei der Digitalisierung riskieren Sie, Ihrem Unternehmen schlimmstenfalls sogar Schaden zuzufügen.

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